Externe Nachfolge

Ein bunteres Leben

Wie lässt sich ein Handelsunternehmen für Schutzmasken und andere Sicherheitskleidung unter Corona-Bedingungen verkaufen – in nur sechs Monaten?

Text: Claas Syrt Möller; Fotos: Orion Dahlmann, DS Safetywear

Wenn die Sonne scheint, verteilen die „Richter-Fenster“ bunte Farbtupfer im Innern des Kölner Doms. Die Fensterfront des Künstlers Gerhard Richter hat es Uwe Lohölter angetan und darum hat er sie als Profilbild für sein WhatsApp-Konto ausgewählt. Ein Gegenentwurf zu seinem Berufsalltag? „Ich wollte nicht mein ganzes Leben weiße Anzüge verkaufen“, sagt Lohölter. Einweg-Schutzanzüge, meist in Weiß oder Grau, bilden neben Atemschutz und vielem mehr das Kernsortiment von DS SafetyWear – unentbehrlich in jedem Reinraum, in der Chemie-, Pharma-, Nahrungsmittel- und Entsorgungsbranche, bei der Feuerwehr und in der Kriminalistik. Die Lohmarer Firma, deren Chefsessel Lohölter im Februar 2020 abgab, stattete sogar mehrere „Tatort“-Produktionen mit Schutzanzügen aus.

Guter Job – Knochenjob

Lohölter trat 2007 in das 2001 gegründete Unternehmen ein und übernahm es bald. Heute gilt es international als Kompetenzzentrum für Einweg-Schutzkleidung. Die Qualität der Produkte wird dabei unterfüttert von der Expertise der Mitarbeiter und einem umfassenden Schulungsangebot. Angesichts von gut fünf Millionen Euro Jahresumsatz bei zehn bis elf Mitarbeitern lässt sich sagen: Lohölter hat einen guten Job gemacht. Aber auch: einen Knochenjob: „Die letzten Jahre waren unglaublich intensiv. Arbeit am Wochenende war bei mir Standard. Irgendwann kam Überdruss auf, Anzeichen von Burn-out.“ Der Arzt riet ihm, kürzerzutreten.

„Eine Möglichkeit wäre gewesen, meinen Sohn in die Führung hineinzunehmen. Der allerdings hatte keine kaufmännischen Interessen – und ich fände es grundverkehrt, den Nachwuchs in die Firma hineinzudrücken.“ So kam der Gedanke zu verkaufen auf. „Mir war dabei eines klar: Für den Unternehmensverkauf brauche ich einen M&A-Berater, allein kann ich das weder steuern noch unter der Decke halten.“ Lohölter schaute sich drei auf Mergers & Acquisitions (M&A) spezialisierte Dienstleister an. Bei dem größten hatte er das Gefühl, dass dort das große Rad gedreht wird, ein kleinerer Betrieb wie seiner aber leicht unter die Räder geraten könnte. Eine andere Agentur betonte, „immer den besseren Preis“ herauszuholen – für Lohölter, dem die Zukunft seiner Mitarbeiter wichtig war, ein suspektes Versprechen. „Mir war wichtig, dass ich mit den Leuten, die mein Unternehmen verkaufen, auf einer Frequenz funke.“ Lohölter erinnerte sich an ein Mailing, in dem die Westfalenfinanz aus Dortmund über den erfolgreichen Verkauf einer Firma für persönliche Schutzausrüstung informierte. Bewusst hatte er dieses Schreiben aufbewahrt. Ein Treffer, denn die Westfalenfinanz konnte den Verkauf in nur sechs Monaten realisieren.

DS Safetywear stellt Schutzkleidung für kritische Arbeitsumgebungen her

Nachdem Lohölter die Dortmunder beauftragt hatte, begann ein eng getakteter Prozess: Erstgespräch im Juni, Kooperationsbeginn im August 2019 mit Übergabe einer langen To-do-Liste, die er abzuarbeiten hatte. Parallel erarbeitete die Westfalenfinanz eine Longlist mit potenziellen Käufern und recherchierte dafür auch auf der Fachmesse A+A. An gemeinsam ausgewählte Interessenten wurde dann eine anonymisierte Kurzbeschreibung des Unternehmens versandt. Von diesen unterzeichneten rund 20 eine Vertraulichkeitsvereinbarung im Gegenzug für konkreteres Datenmaterial. Fünf von ihnen lernte Lohölter im November persönlich kennen.

Umfangreiche Hausaufgaben

Mit einem einzigen Interessenten machte er weiter. „Alle Daten wurden in einen neutralen Datenraum eingestellt, in dem ich Fragen über Fragen gestellt bekam und beantworten musste; viele allerdings waren nach meinem Empfinden völlig überflüssig. Das mit noch mehr Bewerbern durchzuziehen, wäre völlig unmöglich gewesen.“ Erwerber wurde ein Marktbegleiter aus einem angrenzenden Produktbereich, der sich in der Hand eines Finanzinvestors befindet. „Anfangs wäre mir ein strategischer Investor lieber gewesen, aber man hat mir zugesagt, DS SafetyWear so weiterzuführen wie bisher.“ Lohölters damals engster Mitarbeiter wurde Chef; ein einjähriger Beratervertrag glättet den Übergang.

Ausgerechnet Corona sorgte noch für Probleme. Der Notartermin war Ende Februar 2020. Damals schaute die Welt auf Wuhan, wo COVID-19 ausbrach. Kurioserweise werden 80 Prozent der Einweg-Schutzkleidung weltweit ausgerechnet in diesem Teil Chinas produziert – auch von DS SafetyWear. „Container wurden storniert – es durfte wochenlang nichts exportiert werden“, sagt Uwe Lohölter. Der Käufer ließ sich aber nicht beirren und so konnte der Verkauf trotz einiger aufregender Tage erfolgreich über die Bühne gebracht werden.

Einer bunteren Zukunft stand nun nichts mehr im Wege. Uwe Lohölter macht derzeit einen Fernlehrgang in Kunstgeschichte und denkt über eine Stadtführerausbildung nach. Der Dom, die zwölf weltbekannten romanischen Kirchen in Köln – das wär’s doch. Denn mit 54 Jahren hat die zweite Lebenshälfte eigentlich erst gerade begonnen.

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