Mit Mädchenbildung verändert Reinhard Gorenflos in Afrika die Welt. 

Text: Dr. Birgit Ebbert; Fotos: TuaRes Stiftung

„Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen“ – mit diesem Vers aus einem Rilke-Gedicht skizziert der ehemalige Top-Manager Reinhard Gorenflos seinen Lebensweg. Tatsächlich schließen sich gerade viele Kreise in seinem Leben, das 1961 in Thailand als Sohn eines Diplomaten begonnen hat. Nach frühen Jahren in Thailand wuchs er im westafrikanischen Burkina Faso auf. Erst mit zehn Jahren zog Reinhard Gorenflos nach Deutschland. Bereits in seiner Schulzeit machte er sich Gedanken, wie die Welt zu einem besseren Ort für alle Menschen werden könnte, und engagierte sich in der evangelischen Jugend und in Entwicklungsprojekten.

Ein Studium der Volkswirtschaftslehre schien eine gute Basis, um im größeren Stil etwas zu bewegen. Aber auch Geschichte interessierte ihn, sodass er schließlich beide Fächer in Freiburg und Paris studierte. Mit der Vision im Blick, die Welt zu verändern, besuchte er die Harvard Kennedy School, deren Absolventen auf ein Amt in staatlichen oder öffentlichen Funktionen vorbereitet werden. Als Volkswirtschaftler fragte er sich jedoch, ob er in der Wirtschaft nicht größere Gestaltungsmöglichkeiten haben werde. Er entschied sich für Unternehmen statt Behörden und wurde zunächst Unternehmensberater, dann Manager im damaligen Thyssen-Konzern und später Finanzvorstand von Aral. 

Als Manager auf dem Weg zur Wirtschaftsspitze

„Diese Zeit hat mich stark geprägt“, erinnert sich Gorenflos. „Ich lernte, was Verantwortung ist. Ich konnte bei Schwierigkeiten nicht darauf warten, dass jemand sie aus dem Weg räumte, sondern musste selbst entscheiden und diese Entscheidung vertreten.” Seine weitere berufliche Laufbahn in der Deutschland AG schien vorgezeichnet.  

Doch es kam anders. „Hermann Hesse sagt in einem Gedicht: ,Des Lebens Ruf wird niemals enden’“. Dieser Satz hat Reinhard Gorenflos immer fasziniert und er hat bewusst darauf gehört, was das Leben ruft. Es rief nicht zum nächsten Vorstandsposten, sondern in die Private-Equity-Gesellschaft KKR, die ihm anbot, bei Aufbau und Entwicklung des Private-Equity-Geschäfts in Europa mitzuwirken. „Das war eine Herausforderung; die Strukturen und das Denken in Europa waren völlig anders als in den USA. Hier einen so neuen Ansatz zu implementieren erforderte viel Energie und Kreativität.“ Gorenflos hat die Herausforderung angenommen und bewältigt, allerdings wurde ihm dabei zunehmend klar, dass Wirtschaft die Welt nicht allein verändern kann. Der Wandel muss durch einzelne Menschen angestoßen werden.  

Als Stifter auf dem Weg für die Welt

„Es ist deine Sache, wenn das Haus deines Nachbarn brennt.“ Reinhard Gorenflos hat diesen Gedanken von Horaz ernst genommen und dies dadurch dokumentiert, dass er zwei Worte des lateinischen Ursprungssatzes als Namen seiner Stiftung wählte: Tua res – es geht dich an, es ist deine Sache. Bei der Suche nach einem sinnvollen Engagement erinnerte er sich an seine Kindheit in Burkina Faso. Seit 2012 engagiert er sich mit seiner TuaRes Stiftung, persönlichem Einsatz und eigenem Geld für die Mädchenbildung in einem der ärmsten Länder der Welt. Zusammen mit derzeit 15 Mitarbeitern, vorwiegend Sozialarbeiterinnen, vor Ort und einem kleinen Team in München verhilft er Mädchen aus den ärmsten Familien zu einem Schulabschluss und einer Perspektive für ihr Leben.  

„Der Kern unserer Philosophie lässt sich mit zwei Worten beschreiben: Selbstbestimmung und Solidarität“, so Gorenflos. Konkret bedeutet dies, dass zwar einzelne Mädchen gefördert werden, aber die Familie und die gesamte Dorfgemeinschaft einbezogen werden.  

Reinhard Gorenflos gibt Mädchen aus den ärmsten Familien eine Perspektive

„Uns ist wichtig, dass wir nicht nur die materielle Seite des Schulbesuchs betrachten, sondern auch die soziale und emotionale“, erklärt Reinhard Gorenflos. Daher übernimmt die Stiftung einerseits die Schulgebühren, finanziert Schulkleidung, Lernmaterialien und Schulspeisung und stellt bei Bedarf z.B. eine Solarlampe zum Lernen in der Dunkelheit zur Verfügung. Andererseits werden die Mädchen von Sozialpädagoginnen begleitet, sie erhalten Nachhilfe und mit speziellen Trainings werden das Selbstbewusstsein und die Ausdrucksfähigkeit gestärkt und Zusatzqualifikationen für die Arbeitssuche vermittelt.  

„Wir können den Arbeitsmarkt in Burkina Faso nicht verändern, aber wir können mit unserem Programm erreichen, dass Mädchen dort eher einen Platz finden.“ Als Volkswirtschaftler weiß Reinhard Gorenflos, dass Mädchenbildung die strategische Größe überhaupt für die Entwicklung eines Landes ist. Frauen mit einer Ausbildung bekommen später als Mütter weniger Kinder, das Bevölkerungswachstum sinkt, gleichzeitig sind sie eher in der Lage, ein eigenes Einkommen zu erzielen – mit positiven Folgen für das Wirtschaftswachstum.  

Das Leben von Reinhard Gorenflos besteht wirklich aus Ringen, die ineinander verwoben sind. Nur sein Interesse für Geschichte hat sich noch nicht zum Ring gewandelt, aber wer weiß schon, was das Leben rufen wird. Auch wenn Reinhard Gorenflos sicher ist, dass Tua res immer im Mittelpunkt seines Denkens und Handelns bleiben wird, ist er offen für neue Projekte und Ideen – für den nächsten Ruf des Lebens. 

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