Wenn Familie und Mitarbeiter als Optionen für die Fortführung des Unternehmens ausscheiden, bleibt noch das „Management Buy-in“. Der Kauf des mittelständischen Mineralwerkstoff-Spezialisten Hasenkopf in Oberbayern ist dafür exemplarisch.

Text: Daniel Boss Fotos: Hasenkopf, BPE 4 Unternehmensbeteiligungen GmbH

Eines steht für Roland Hasenkopf felsenfest: Er will das einst von seinem Vater gegründete Unternehmen in Gänze erhalten. Schließlich ist die Hasenkopf Industrie Manufaktur GmbH sehr erfolgreich. Sie hat sich mit der Verarbeitung innovativer Mineralwerkstoffe einen Namen gemacht. Die Bandbreite reicht vom individuell angefertigten Waschtisch fürs Privathaus bis zur „weißen Haut“ im Großen Saal der Hamburger Elbphilharmonie. Rund 200 Mitarbeiter sind im oberbayerischen Mehring tätig. Doch Roland Hasenkopf, er geht auf die 60 zu, plant ab 2018 konkret seinen Ruhestand. Und Nachfolgeregelungen innerhalb der Familie oder betriebsintern sind nicht möglich. Bleibt also nur noch die Suche nach externen Interessenten. Er holt einen M&A-Berater an Bord, der einen Verkaufsprozess initiiert. So erfährt die Hamburger Beteiligungsgesellschaft BPE von den Plänen im fernen Landkreis Altötting. Wie sich bald herausstellen wird, ist es für alle Beteiligten eine glückliche Fügung. „Hasenkopf steht exemplarisch für unser Handeln in den vergangenen 23 Jahren“, sagt Nikolai Mackscheidt, einer von vier BPE-Partnern.

Die einstige Tochter der Privatbank Berenberg hat sich auf Nachfolgeregelungen für Unternehmen mit einem Jahresumsatz zwischen 10 und 100 Millionen Euro spezialisiert. Die Verkaufssummen liegen bereits in Sphären, die einzelne Privatpersonen in der Regel nicht alleine aufbringen können. In einer Allianz aus Management und Kapital erhalten Manager die Möglichkeit, als sogenannte „Management Buy-in“-Kandidaten unternehmerisch tätig zu werden. Aktuell verwaltet die Gesellschaft den vierten Fonds, aufgelegt im Frühjahr 2020 in Höhe von 135 Millionen Euro. An zehn Unternehmen in ganz Deutschland ist BPE derzeit beteiligt, wobei man grundsätzlich die Mehrheit der Anteile hält. Zum Geschäftsmodell gehört es hierbei für die Investoren, vor allem mittels operativer Optimierungen und strategischer Neuausrichtung bei einem späteren Weiterverkauf (Exit) attraktive Eigenkapitalrenditen zu erzielen.

Wichtig ist ihnen, dass die zum Verkauf stehenden Firmen eine gute und langfristige wirtschaftliche Prognose aufweisen – und offen für neue geschäftsführende Gesellschafter sind. „Wer die Nachfolge eines mittelständischen Unternehmens regeln möchte, muss dies nicht nur gesellschaftsrechtlich können, sondern vor allem auch operativ, durch Bereitstellung eines Nachfolgeunternehmers“, erklärt Nikolai Mackscheidt. „Wenn wir einsteigen, sollte schon klar sein, wer die operative Nachfolge des scheidenden Unternehmers antritt. Wenn dieser nicht schon im Unternehmen tätig ist, muss er als MBI-Kandidat von außen kommen.“ Für die Identifikation geeigneter Kandidaten begibt man sich selbst auf die Suche nach Führungskräften, die „das Unternehmer-Gen“ in sich tragen, wie Nikolai Mackscheidt es nennt. Eine langjährige Führungserfahrung und gewisse Risikobereitschaft sind zwingend erforderlich. Die Investition des eigenen Geldes ist aus seiner Sicht der beste Lackmus-Test. „Wir suchen Mitunternehmer“, betont er.

Im Fall von Hasenkopf wurde es schließlich ein Duo: Patrick Löchelt und Tobias Mehlsam. Der gebürtige Rheinländer und Wahl-Münchner Löchelt ist nach kaufmännischer Ausbildung und MBA-Studium mit Schwerpunkt Entrepreneurship zunächst für Konzerne und eine große Unternehmensberatung tätig. Vor seinem Einstieg bei Hasenkopf sammelt er schon einige Erfahrung im Bereich Geschäftsführung und Selbstständigkeit. „Nach 15 Jahren vielfältiger Führungserfahrungen hat sich mit dem MBI die Gelegenheit geboten, als Unternehmer Verantwortung für einen Hidden Champion zu übernehmen.“ An Hasenkopf habe ihn neben dem spannenden Portfolio die Größe gereizt. „Es ist die goldene Mitte zwischen Startup und Konzern“, findet der 40-Jährige. Sein Geschäftspartner, Tobias Mehlsam, ist fünf Jahre älter, gelernter Bauingenieur und stammt aus der Nähe von Passau. Als ehemaliger Manager bei einem wichtigen Hasenkopf-Lieferanten kennt er das Unternehmen seit vielen Jahren. Früher habe er „in einem engeren Korsett“ gearbeitet, beschreibt Mehlsam seine Zeit als Angestellter. Als deutlich attraktiver nimmt er den jetzigen Handlungsspielraum wahr. „Gemeinsam mit Patrick bin ich es, der die Realität des Unternehmens gestaltet.“

Und das trotz eines so starken Mehrheitsgesellschafters am Tisch? „BPE lässt der Geschäftsführung freie Hand“, betont Tobias Mehlsam. „Man muss uns natürlich in gewisser Weise „aushalten“, weil wir als Mehrheitsgesellschafter theoretisch alles bestimmen können“, ergänzt Mackscheidt. „Doch wir sind ein berechenbarer Partner, da wir rational agieren und durch die gesellschaftsrechtliche Verbindung ein gleichgerichtetes Interesse mit der Geschäftsführung haben. Man mag zwar über unterschiedliche Wege diskutieren, aber man hat immer dasselbe Ziel.“

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